Geschenke

Von Patienten oder Angehörigen nehme ich keine Geschenke an, die materiellen Wert haben. Allerdings nehme ich die Bedeutung des Bedürfnisses des Patienten, dem Psychotherapeuten Geschenke zu machen, im Rahmen der Behandlung ernst.

Private Beziehungen

Es ist aus meiner Sicht selbstverständlich, dass es während und nach einer psychoanalytischen Behandlung keine privaten Beziehungen zwischen Psychotherapeut und Patient geben darf. (Die Angabe einer zeitlichen Frist, nach deren Ablauf nach Behandlungsende eine solche Beziehung möglich sein soll, halte ich für nicht sinnvoll, weil sie den Charakter der psychoanalytischen Arbeit und der dazu gehörenden Abstinenz verkennt.) Dies ist Teil der notwendigen psychotherapeutischen Abstinenz und bezieht sich nicht nur auf intime oder sexuelle Beziehungen, sondern auf alle privaten Beziehungen. Die Überschreitung dieser sehr wichtigen und sensiblen Grenze zwischen Arbeitsbeziehung und privater Beziehung stellt einen Missbrauch (s. dort) dar.

Eine solche Grenzüberschreitung ist allerdings nicht allein an äußeren Anzeichen (Berührungen etc.) zu erkennen, sondern kann auch verbal und atmosphärisch verletzt werden, ohne dass auf einer äußerlich sichtbaren Handlungsebene etwas „passiert“. (Vgl. dazu auch den Artikel im Hessischen Ärzteblatt 2-2012.)

Die Verantwortlichkeit für die Einhaltung dieser Grenze liegt ausschließlich beim Psychoanalytiker.

Auch die Tatsache, dass während einer psychotherapeutischen, besonders während einer psychoanalytischen Behandlung, in der die Übertragung (s. dort) eine besonders große Bedeutung hat, beim Patienten der Wunsch nach einer privaten Beziehung entsteht, ändert nichts an dem Verbot einer solchen Beziehung. Gerade ein Wunsch nach einer solchen Beziehung zeigt, wie wichtig es ist, mit dem Patienten an der Entstehung solcher Wünsche zu arbeiten; ihm diese Arbeit vorzuenthalten (indem diese Wünsche erfüllt werden ), stellt eine Schädigung und einen Missbrauch dar.

Sollte der Hinweis darauf, dass ein Patient eine solche Beziehung gewünscht habe, von einem Psychotherapeuten in irgendeiner Weise im Sinne einer Entschuldigung benutzt werden, zeigt das nur, dass er nichts von seiner Verantwortung verstanden hat.

Diese zeitlich unbegrenzte Gültigkeit der Abstinenz hat ihre Begründung darin, dass das Unbewusste zeitlos ist und dass eine psychoanalytische Behandlung nicht dazu da ist, kurz- oder langfristig die privaten Bedürfnisse des Patienten und/oder des Psychotherapeuten in Form einer konkreten, realen Beziehung zu erfüllen oder eine solche Beziehung vorzubereiten, wenn auch nicht bewusst geplant.

Ein Psychotherapeut, der glaubt, auf die spätere Beziehung zu einem Menschen, der als Patient zu ihm kommt, nicht verzichten zu können, sollte aus Verantwortung seinem Patienten gegenüber keine Behandlung mit ihm beginnen.

Anmerkung: Die Vorstellungen über die konkreten Auswirkungen einer konsequenten abstinenten Haltung gehen innerhalb der Gruppe der Psychoanalytiker und erst recht innerhalb der Gruppe der Psychotherapeuten weit auseinander.